MOSE

Samstag 26. November 2022, 20:00 

Vor 15 Jahren verschlug es mir die Sprache, als ich über ein anderes Werk, Schuberts Streichquartett in d-Moll „Der Tod und das Mädchen“, schreiben wollte. Ich fühlte mich sehr verstanden von Schubert. Ich quälte mich wochenlang. Beschreibende Worte kamen mir immer weniger in den Sinn. Seit drei Monaten versuche ich nun, über die neue mose-Platte zu schreiben. Die Begriffe verlieren sich d-mollesk, je näher ich dem Veröffentlichungstermin komme. Herkömmliche Attribute werden bei näherer Betrachtung auch hier, wie damals, unglaubwürdig....... Beim Hören von „puls“ kommt mir vor, mose sind es nun, die meine innere Sprache sprechen, die alte dunkle wie die neue lichtere. Sie besteht vor allem aus amphibolischen Eindrücken, flüchtig und beständig, ausgesprochen in Schwermut, von der Leichtes ausgeht, ... ....Eine Trompete mit Dämpfer spielt. Mit langem Hall eine Gitarre. Ein Rufen im alten Hafen. Weite ist fast überall. Und dauert an. Der Friedeneiner so anders als schubertschen Umarmung.Vollendete Fragmente werden einem da geschenkt, Anfänge, Verführungen. Fundstücke aus den Zwischentönen der fünf Herren Thomas Kuschny, Herbert Walser-Breuß, Karl Müllner, Thomas Keckeis und Markus Marte. Rare Stücke, mit Bedacht arrangiert, entspannt, unverdorben melodisch, reduziert. In einer Bescheidenheit, der man jeden Ton und alles dahinter abnimmt.... 
Philip Scheiner, Ö1 Redaktion